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Aufenthalt im ökologischen Schullandheim

Aufenthalt im ökologischen Schullandheim „Spohns Haus“
in Gersheim vom 14.01. bis 16.01.2008

Thema der Veranstaltung war soziales Lernen mit Hilfe von Medien. Planung und Durchführung der Veranstaltung lagen in meiner Verantwortung, als dem für die Produktionsschule zuständigen Sozialarbeiter. Ich wurde dabei aktiv unterstützt von Mathilde Hersemeyer, ebenfalls Sozialarbeiterin an der Schule, und Josef Puhl, Klassenlehrer in der Produktionsschule.

Bei den SchülerInnen der Produktionsschule handelt es sich um berufsschulpflichtige Jugendliche, die auf ihrem bisherigen Weg in der Regelschule aus unterschiedlichen Gründen (soziale Defizite, Lernschwächen etc.) gescheitert sind. Sie streben in diesem Schuljahr den Hauptschulabschluss an und werden auf das praktische Berufsleben vorbereitet.

In mehreren sozialpädagogischen Gruppenstunden habe ich die Lehrveranstaltung mit den SchülerInnen besprochen und inhaltlich vorbereitet. Neben den inhaltlichen Aspekten waren dabei auch wesentliche praktische Rahmenbedingungen zu vermitteln.
Die SchülerInnen sollten sich vor allem darauf einstellen, dass Handys, MP3-Player etc. während der Gruppensitzungen abgegeben werden müssen. Dadurch sollten Ablenkungen vermieden und ein größtmögliches Maß an Konzentration auf die Inhalte und Aufmerksamkeit für Mitschüler und Gruppenleiter erreicht werden.

14.01.’08
Nach der Ankunft in Spohns Haus am Vormittag und dem Mittagessen wurden die SchülerInnen zunächst mit der Hausordnung vertraut gemacht und nochmals auf die besprochenen Rahmenbedingungen hingewiesen, bevor wir zu den Gruppenaktivitäten übergingen.
In der Vergangenheit war es während der wöchentlichen Gruppensitzungen in der Schule immer wieder deutlich geworden, dass die SchülerInnen sehr spannungsgeladen und unter Vorbehalten aufeinander zugehen und miteinander umgehen, dass nicht immer jede(r) zur einer Zusammenarbeit mit jeder/jedem bereit ist.
Die Bereitschaft zu solcher Zusammenarbeit war jedoch wichtige Voraussetzung für eine erfolgreichen Verlauf der Lehrveranstaltung.
Um die Spannung zu lösen und die Gruppe aufzulockern, wurden daher zunächst einige gruppendynamische Spiele durchgeführt, durch die eine Basis für ein soziales Miteinander und gegenseitige Akzeptanz geschaffen werden sollte.
Erst als dies erreicht war, wurde durch ein abschließendes Spiel die Sitzordnung im Kreis festgelegt, die in den nächsten zwei Tagen beibehalten werden sollte, was eine weitere Voraussetzung für die Arbeit mit den SchülerInnen im Sinne unserer Zielsetzung war.

Das Verhalten der SchülerInnen während dieser Spiele, der Umgang der einzelnen sowie der Gesamtgruppe mit den jeweils gestellten Aufgaben wurden per Videokamera aufgezeichnet und im anschließenden Stuhlkreis vorgeführt, so dass die Beteiligten ihr Verhalten selbst beobachten, ihre Reaktionen auf die anderen sowie ihre verbale und nonverbale Kommunikation mit diesen besprechen und im gegenseitigen Austausch reflektieren konnten.

Die SchülerInnen beteiligten sich aktiv sowohl an den Spielen als auch an der anschließenden Auswertung. Für viele war es das erste Mal, dass sie sich selbst beobachten konnten.

Diese Arbeitseinheit beanspruchte den gesamten Nachmittag und frühen Abend mit Unterbrechungen durch kurze Pausen und das gemeinsame Abendessen.

15.01.’08
Am Morgen führten wir Rollenspiele zum Training der Selbstdarstellung, des selbstbewussten und überzeugenden Auftretens durch. Dabei mussten sich die Schüler inhaltlich mit verschiedenen Berufsbildern auseinandersetzen und jeweils versuchen, überzeugend für einen dieser Berufe zu argumentieren, der ihnen zufällig zugeordnet worden war.

Die SchülerInnen sollten sich am Beispiel dieser Berufspräsentation darüber klar werden, wie wichtig es für ein überzeugendes Auftreten und Argumentieren ist, sich inhaltlich vorzubereiten und mit einer Thematik auseinander zu setzen, dass es nicht genügt, einen Beruf nur von seiner allgemein bekannten Oberfläche her zu betrachten und darzustellen, sondern dass es vielmehr erforderlich ist, sich Gedanken zu machen einerseits über tatsächliche Voraussetzungen, Anforderungen und den praktischen Alltag verschiedener Berufe, andererseits aber z.B. auch über die Bedeutung des jeweiligen Berufes in der und für die Gesellschaft, für einzelne Menschen oder auch für andere davon abhängige Arbeits- und Produktionsbereiche.
Darüber hinaus sollten die SchülerInnen sich anhand dieser Aufgabe auch darüber bewusst werden, welche Bedeutung der sprachliche Ausdruck, die eigene Haltung und Körpersprache für ein überzeugendes Auftreten haben. Sie sollten üben, Gedanken und Argumente in korrekten, verständlichen und möglichst flüssigen Sätzen zu formulieren und dabei nach Möglichkeit auch ihre Haltung, Mimik etc. zu beachten.

Auch diese Übungen wurden per Videokamera aufgenommen und anschließend anhand der Aufnahmen diskutiert und ausgewertet.

Dieser Vormittag war für die Jugendlichen spürbar anstrengend und forderte ihnen ein hohes Maß an Konzentration ab, was von den einzelnen unterschiedlich gut, insgesamt aber durchaus zufriedenstellend bewältigt wurde.

Am Nachmittag wurde zur Entspannung und um bei den SchülerInnen das Interesse für die Biosphären-Region Bliesgau zu wecken eine Lehrwanderung mit Herrn Beideck, dem pädagogischen Leiter von Spohns Haus, unternommen.

16.01.’08
An diesem Morgen wurden die Schüler in drei Gruppen eingeteilt; jede Gruppe sollte nun eine im Alltag auftretenden Konfliktsituation spielerisch darstellen. Von vorgegebenen Themen z. B. „ Schüler wird von anderen provoziert“, „ Jugendliche kommt sehr spät nach Hause“, „Freundin wird beleidigt“ , u. ä. konnten sich die Gruppen ein Thema aussuchen und dies dann nachspielen. Dazu mussten sie sich die Texte selbst schreiben und überlegen, wie sie die Situation spielerisch darstellen könnten. Die nacheinander gespielten Szenen wurden aufgenommen und anschließend vorgeführt. Es wurde ausführlich über die dargestellten Situationen und das Verhalten und Auftreten der Teilnehmer diskutiert und reflektiert.

Die Veranstaltung endete am frühen Nachmittag mit einem allgemeinen Feed-back und dem gemeinsamen Mittagessen.

Beurteilung der Veranstaltung
Das Feed-back der beteiligten SchülerInnen fiel durchweg positiv aus. Einige von ihnen räumten ein, eher skeptisch und ohne große Erwartungen nach Gersheim gefahren zu sein, ihre Meinung inzwischen aber geändert zu haben.
Die Erfahrung, sich selbst im Video aus dem Blickwinkel des Außenstehenden und Beobachtenden zu erleben und zu hinterfragen, sowie die Erfahrung, über eigenes und fremdes Verhalten sachlich und objektiv zu diskutieren ohne Angriff und Verteidigung und ohne dass etwa alles ins Lächerliche gezogen wurde, war für die meisten ungewohnt und wurde positiv bewertet.
Offensichtlich war es darüber hinaus gelungen, mit den ausgewählten Spielen und Themen das Interesse der SchülerInnen konstant zu halten und durch die Aktivitäten in den Pausen und an den Abenden die Stimmung auf einem entspannten und lockeren Niveau mit guter Laune zu halten.
Auch im Hinblick darauf war das Fazit der Jugendlichen, dass es ihnen insgesamt gut gefallen und großen Spaß gemacht habe.

Auch aus Sicht der beteiligen Pädagogen kann die Veranstaltung als sehr erfolgreich betrachtet werden.
Es war deutlich zu beobachten, wie die ablehnende und eher genervte Haltung einzelner TeilnehmerInnen sich allmählich entspannte und in Interesse und aktive Mitarbeit überging.

Weiterhin ist es als Erfolg zu werten, dass die Rollenspiele am letzten Morgen von allen ernst genommen wurden und die einzelnen Gruppen in der Lage waren, Stücke von immerhin fünf bis zehn Minuten Länge zu konzipieren und aufzuführen. Zu Beginn der Lehrveranstaltung wäre eine Kooperation in diesem Maße noch nicht so problemlos denkbar gewesen.
Dies zeigte uns Pädagogen, dass die SchülerInnen in Bezug auf gegenseitige Aufmerksamkeit und Akzeptanz, aber auch in ihrem Auftreten zumindest einen kleinen Schritt weiter gekommen sind.

Wir können somit sagen, dass die Veranstaltung ihrem Ziel des sozialen Lernens gerecht geworden ist.

Außerdem bleibt festzuhalten, dass die Veranstaltung vor allem auch durch die Konstellation und durch die gut aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit mit dem/der pädagogischen BegleiterIn erfolgreich sein konnte. Für die SchülerInnen war es eine neue und positive Erfahrung, ihren Klassenlehrer einmal außerhalb des Unterrichts und auf einer ganz anderen Beziehungsebene zu erleben.

Ausblick
Es bleibt zu hoffen, dass die so entstandenen positiven Ansätze im sozialen Miteinander der Jugendlichen auch im schulischen und beruflichen Alltag Bestand haben oder sich sogar weiter entwickeln.
Weiterhin werde ich die wöchentlichen sozialpädagogischen Gruppenstunden an der Schule durchführen, in denen neben praxisbezogenen fachlichen Fragen und Beratung ein thematischer Schwerpunkt weiterhin der soziale Umgang an Schule und Arbeitsplatz sowie das eigene Auftreten sein wird. Hier kann an die Erfahrungen aus der Lehrveranstaltung angeknüpft und darauf aufgebaut werden.

(Mehmet Dincel)


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