Nano Truck am BBZ
Ketchup fließt, wie von einer unsichtbaren Haut umgeben, über ein Stück Stoff, ohne rote Spuren zu hinterlassen, eine milchig weiße Lösung ist flüssig, wenn man sie langsam rührt und wird fest, wenn sich die Geschwindigkeit erhöht, bei Berührung gibt eine kalte Kupferplatte Strom ab, vom Aussehen her gleiche Kristalle leuchten mal auf, wenn sie von Laserlicht getroffen werden oder verschlucken ganz einfach das Licht. Im Mittelalter hätte man sie wahrscheinlich als Hexer und Zauberer verbrannt, doch in St. Ingbert konnten sie gefahrlos die Ergebnisse der neuesten wissenschaftlichen Forschung präsentieren, die Wissenschaftler im nanoTruck, der am Berufsbildungszentrum (BBZ) St. Ingbert Station gemacht hat. Zahlreiche Schüler und Interessierte aus St. Ingbert nutzten die Gelegenheit, sich in dem modernen Ausstellungsbus in die Geheimnisse des Mikrokosmos einweihen zu lassen. „Bis zur Erfindung des Rasterelektronenmikroskops hatten wir keine Möglichkeit, uns ein Bild von den Vorgängen in diesen Bereichen zu machen, wir sprechen über Größen, die so groß wie der 150tausendste Teil eines menschlichen Haars sind,“ erläuterte ein Wissenschaftler den gespannt lauschenden Zuhörern die physikalischen Grundlagen der Nanotechnik. Dabei ist Nanotechnik nicht wirklich neu. Schon im Mittelalter habe man Nanotechnik bei der Herstellung von rubinroten Gläsern genutzt, denn die Farbe entsteht, wenn Gold so fein zerkleinert wird, dass einzelne Teilchen nicht mehr erkennbar werden. In dieser feinst verteilten Form würden Flüssigkeiten mit Goldteilchen eine rubinrote Farbe annehmen. Zahlreiche bunte Kirchenfenster zeigen, dass die entsprechende Technik schon vor über 500 Jahren bekannt war. Aber auch die Natur nutze Nanotechnik, wie allein schon die Bezeichnung Lotus-Effekt zeige. Die Eigenschaft, dass Schmutz an behandelten Oberflächen nicht anhafte, nutze man mittlerweile bei Sanitäreinrichtungen und bei Wandfarben oder Dachziegeln. Viele Besucher wollten aber auch etwas über die Gefahren der Nanotechnik wissen, die in den USA viel kritischer betrachtet würde als in Europa. Hier verwiesen die Wissenschaftler aus dem nanoTruck auf die natürlichen Schutzmechanismen des Körpers, der es gelernt habe, sich gegen das Eindringen von Viren oder kleinsten Stäuben zu schützen. Allein die Erfahrungen damit, wie schwer es sei, gezielt medizinische Wirkstoffe mit Hilfe der Nanotechnik in den Körper einzuschleusen, mache deutlich, welche Barrieren im Körper überwunden werden müssten. Daneben komme es auch darauf an, welche Substanzen als Nanoteilchen vorlägen. So sei Blei ganz anders zu beurteilen als z.B. Silizium, das als unbedenklich gelten könne. Dennoch werde bei der Produktion sehr genau darauf geachtet, dass Menschen keine Partikel aufnähmen, später seien Nanoteilchen in andere Stoffe eingebettet, so dass sie als unbedenklich angesehen werden könnten. „Also so ein fahrendes Klassenzimmer ist schon klasse. Da müsste unsere Schule lange sparen, bis sie alle diese Geräte zusammen hätte, die man hier auf einem Haufen sehen kann,“ war denn auch der begeisterte Kommentar von Franziska Linn, die sich am BBZ auf ihre KFZ-Mechatroniker Prüfung vorbereitet. „Jetzt verstehe ich besser, wie moderne Fahrzeuge gebaut werden, es war mir bis jetzt nicht klar, wo schon überall Nanotechnik in Autos eingesetzt wird, und dass wir das in der Schule lernen, macht den Unterricht am BBZ wirklich interessant“, ergänzt Florian Ehrmantraud, ebenfalls Auszubildender in KFZ-Mechatronik. „Diese Ausstellung bieten wir nicht nur unseren Berufsschülern an, auch die Schüler, die bei uns nach der mittleren Reife das Berufliche Gymnasium oder die Fachoberschule besuchen, sei es im wirtschaftlichen oder im technischen Zweig, sollen hier an neue Technologien herangeführt werden. Wir brauchen junge Talente, insbesondere in den technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen, wenn wir im internationalen Wettbewerb bestehen wollen. Das zu fördern ist Aufgabe einer modernen Schule“, umschreibt Schulleiter Gisbert Groh seine Motive, den nanoTruck nach St. Ingbert zu holen. „Und dass so viele Außenstehende zu unserer Schule gefunden haben, um sich hier über Nanotechnik aus erster Hand zu informieren, zeigt, wie das BBZ St. Ingbert gesellschaftlich integriert ist.“
(Joachim Frenzel-Paal)
|